Produktetest: Geschminkte Vegi-Bratwurst

Neulich klingelte frühmorgens bei mir das Telefon. Am anderen Ende: eine PR-Agentur, die gerne bei mir im Büro vorbeikommen will mit vegetarischen Degu-Häppchen. Sommerlich präsentiert seien sie, im Picknickkörbchen. Und da ich prinzipiell neugierig bin, sagte ich zu.
Die Vegi-Häppchen entpuppten sich als Falafel und vegetarische Chicken-Nuggets. Und um eine etwas breitere Meinung zu erhalten, als nur die meinige, spannte ich meine Gspänlis aus der Bürogemeinschaft im Citizen-Space für die Degustation grad ein.
Vorweg: Ich bin kein Fan von Convenience-Produkten, die nur noch gekocht werden, damit sie warm sind. Aus diesem Grund haben wir waskochen.ch ins Leben gerufen, das den Usern zeigt: Mit wenigsten Zutaten gibts bereits feinen «Homemade-Fastfood». Aber: Ich habe mir im Gourmet-Spion zum Ziel gesetzt, nur Empfehlungen abzugeben und keine Negativkritiken. Und logischerweise muss es auch bei mir mal subito gehen.
–> Dein Tipp/deine Meinung für/zu Convenience-Food: siehe unten!
Deshalb das Positive zuerst: Die Falafel haben für Convenience-Food recht gut geschmeckt und ein Blick auf die Verpackung zeigte dazu, dass der Hersteller in Sachen E-Stoffe sehr zurückhaltend war. Löblich! Martin und Cornel, beide so genannte Teilzeitvegetarier und LOHAS (und somit gemäss den Vertreterinnen der PR-Agentur «die direkte Zielgruppe») fanden die Falafel denn auch durchaus kaufenswert: «Schmecken luftig und frisch.» Die Kügelchen mit der Hauptzutat Kichererbsen können entweder frittiert, gebraten oder gebacken werden. Im Sommer legt man sie einfach auf den Grill.

Kommen wir zu den Chicken-Nuggets, die eben ganz ohne Hühner auskommen bei den Zutaten. Sie schmecken trotzdem wirklich wie Chicken-Nuggets. «Was, da hats kein Huhn drin», wunderten sich denn auch die beiden Programmierer, derzeit tätig als «Gastarbeiter» im Citizen Space, die den Nuggets gegenüber den Falafeln klar den Vorzug gaben. Schade, dass es zwar keine H(ühner)-Stoffe drin hat, dafür viele E-Stoffe, die es wohl braucht, um eben Vegi-Zutaten in ein waschechtes Chicken-Nugget umzuwandeln.
Für das Highlight und eine fast schon komödiantische Einlage – zwar nicht geschmacklich, aber doch visuell – sorgte aber definitiv die Vegi-Bratwurst, die uns im Picknickkörbchen überreicht wurde. Der Verzicht auf Fleisch wurde hier gutgemacht mit optischen Tricks, haben doch diese «Saucisses à rôtir» im Zweierpack tasächlich einen braunen Bratstreifen (wie wenn man die Wurst in der Pfanne gebraten hat). Darüber dann quer dazu schwarze Grillstreifchen, schön in Reih und Glied angeordnet. «Was zur Hölle ist das denn? Spielzeugwurst? Voll 80ties!», so die erste Reaktion der Runde. Und die zweite: «Sieht aus wie eine geschminkte Wurst, sowas kommt mir als Teilzeitvegetarier weder in die Tüte noch auf den Grill», so Martins dezidierte Reaktion. Ich habe die Würste mal in den Kühlschrank gelegt, ob sie es je auf unseren Bürogrill schafft, bleibt abzuwarten.

Da ich im Gourmet-Spion ja wie eingangs erwähnt Empfehlungen abgeben möchte, hier eine an den Hersteller dieser Lebensmittel-Kreation: Mehr Vegi ist unbedingt lobenswert, auch für den schnellen Gebrauch. Aber: Wie wärs, statt gefakten Bratwurst-Kreationen einmal etwas wirklich Neues, Wohlschmeckendes zu kreiieren, das möglichst natürlich ist. Statt Wurstform darf es von mir aus auch viereckig oder herzförmig sein (das wären dann Bratquadrat oder Bratherz) – oder am liebsten eine annähernd natürliche Form haben (dafür würde sich bestimmt auch noch ein Name finden lassen. Einfach bitte Finger weg von Schminke auf Lebensmitteln!
Besprochene Produkte:
Délicorn Falafel, 180 g, CHF 5.95
Délicorn Nuggets, 150 g, CHF4.50
Délicorn-Bratwurst, 2 Stück, CHF 5.80
Alle Produkte sind in der Schweiz im Coop erhältlich.
Aufruf:
Gibt es fixfertige oder annährend fixfertige Foodprodukte, die ihr schätzt, kauft – und allenfalls etwas aufgepeppt serviert – oder kommt sowas bei euch nicht in die Tüte? Beziehungsweise: Habt ihr einen ganz persönlichen Trick für haugemachten Fastfood? Ich bin gespannt auf eure Inputs zum Thema in den Kommentaren.
13. Juli 2009 @ 13:58
Diese Wurst ist ja der Hammer (schönes Sprachbild, nicht?): Schwer vorstellbar, dass Vegetarier ausgerechnet Bratwürste in ihrem Leben vermissen und auf diese Erfindung gewartet haben. Und wer teilzeitvegetarisch, aber ökologisch, nachhaltig und gesund konsumieren möchte (zB. Lohas), wird auch nicht unbedingt auf ein Produkt zurückgreifen, für das irgendwelches Gemüse hochindustriell genötigt wurde so zu tun als wäre es Fleisch. Carnivoren wiederum können wohl auch eher nicht gemeint sein. Es wäre daher tatsächlich sehr interessant vom zuständigen Marketing einen detaillierten Beschrieb der angepeilten Zielgruppe zu bekommen: Wer braucht so etwas?
Und ps: Ist es nicht so, dass man Bratwürste entweder brät oder grillt, selten aber beides? Oder ist die Brat- und Grillstreifenzeichnung mehr so für Unentschlossene? Seltsam, seltsam…
20. Juli 2009 @ 9:53
Selber Kochen ist natürlich das Beste. Aber: Neulich entdeckte ich «Ravioloni con brasato al Barolo» in der Migros (Sélection). Ausgezeichnet! Wenns mal schnell gehen muss, ist das meine Wahl.
20. Juli 2009 @ 13:12
Überraschend lecker sind die gefüllten Teigwaren Marke Giovanni Rana, gibt’s bei Coop, vor allem die mit Artischoken. Sind jedenfalls x-fach besser als die entsprechenden Produkte von Betty Bossi etc. Allerdings: Ganz ohne E geht’s auch bei Giovanni Rana nicht … Womit wir wieder bei den Vorzügen der frischen Küche wären.
20. Juli 2009 @ 15:06
Ausser fertiges Brot kommt kein Convenience-Food auf den Tisch.
22. Juli 2009 @ 13:20
Kochen ist nicht nur Mahlzeiten herstellen, sondern es muss/kann auch Spass machen. Prinzipiell unterscheiden muss man aber zwischen Leuten, die überhaupt genügend Zeit fürs Kochen aufbringen können/wollen und solchen, die das nicht können. Als ich noch arbeitete und spät am Abend nach Hause kam, musste es schon mal schnell gehen. Ich mache auch heute meine Nudeln nicht selber, was für einen Einpersonenhaushalt auch etwas allzu aufwendig wäre, auch backe ich kein Brot selber. Aber das Betty-Bossi-Fixfertigzeugs, nein, das würde ich wirklich nur im Notfall empfehlen. Uebrigens: Gute Ideen finde ich immer in waskochen.ch.